Cryptocoins – Investieren in digitale Währungen

 

Mein neues Buch Cryptocoins – Investieren in digitale Währungen wird im September 2017 beim Finanzbuchverlag München erscheinen. Sie können es schon jetzt beim Verlag vorbestellen und in Kürze einzelne Artikel hier erwerben. Die Bezahlung wird über SatoshiPay laufen.

Einleitung

Seit Satoshi Nakamoto im Jahr 2008 den Bitcoin erfand, sind viele hundert neue Währungen auf den Markt gekommen, die ähnlich funktionieren. Sie kommen ohne Banken oder sonstige Mittelsmänner aus und ermöglichen kostengünstige Zahlungen direkt von Mensch zu Mensch.

Meistens werden diese neuen Geldformen als Kryptowährungen oder Cryptocoins bezeichnet, doch „kryptisch“ ist an ihnen nur, dass sie Verschlüsselungstechnik nutzen. Rätselhaft oder geheimnisvoll ist an ihnen nichts. Ihre Grundlagen sind relativ einfach zu verstehen.

 

Das herrschende Geldsystem

Die Bezeichung „kryptisch“ verdient eher das herkömmliche Geldsystem. Wer weiß schon, dass Banken Geld aus dem Nichts schaffen können? Wer kennt die genaue Rolle und die Eigentümerstruktur der Zentralbanken? Wer kann die Entscheidungen nachvollziehen, die von den Mitgliedern der Finanzaristokratie hinter verschlossenen Türen gefällt werden?

Von Henry Ford stammt das Zitat „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ Bitcoin-Schöpfer Satoshi Nakamoto hat die Probleme des herrschenden Geldsystems sehr wohl verstanden und mit seiner Erfindung eine Revolution ausgelöst, die Wirtschaft und Gesellschaft tiefgreifend verändern wird.

Das bestehende Geldsystem, das auf einem staatlichen Monopol fußt, richtet großen Schaden an. Das Geld wird in diesem System durch die Ausweitung der Geldmenge (auch Inflation genannt) absichtlich entwertet. Die Inflation wirkt wie eine heimliche Steuer, die der Staatsfinanzierung dient, aber die Einkommen und Ersparnisse der Bürger auffrisst. Durch die Geldentwertung findet eine Umverteilung von der arbeitenden Bevölkerung zu denjenigen statt, die nah an der Quelle des staatlichen Geldes sitzen, also Regierungen und Banken. In meinem Buch Bitcoin – Geld ohne Staat habe ich diese Kritik der Wiener Schule der Volkswirtschaft am Geldsystem ausführlich dargelegt.

Wirtschaftsexperten der Wiener Schule wie Ludwig von Mises oder Friedrich August von Hayek waren entschiedene Gegner des „Geldsozialismus“, in dem der Staat die Kontrolle über das Geld hat. Wirtschaftsnobelpreisträger Hayek schlug bereits 1976 die Einführung eines freien Wettbewerbs der Währungen und eine „Entstaatlichung des Geldes“ vor.

Doch die meisten Menschen beschäftigen sich nicht mit scheinbar komplizierten Themen wie dem Geldsystem. Sie vertrauen ihre Ersparnisse immer noch den Banken an – und werden dort mit Minimalzinsen abgespeist, die unter der Inflationsrate liegen.

Die „Masters of the Universe“, wie sich die Angehörigen der Finanzelite in aller Bescheidenheit nennen, spekulieren hingegen auf Pump mit Milliardenbeträgen. Unabhängig von ihrem Erfolg streichen sie Boni in Millionenhöhe ein. Und wenn es einmal richtig schief läuft, können sie immer damit rechnen, mit Steuergeldern gerettet zu werden.

Die Einstiegshürden in die etablierte Finanzwelt sind hoch. Banklizenzen und Börsenplätze kosten horrende Summen. Banken und Finanzdienstleister arbeiten eng mit den staatlichen Regulierungsbehörden zusammen, um die Hürden weiter zu erhöhen und sich so lästige Konkurrenz vom Leib zu halten.

Die Welt der Cyptocoins ist eine völlig andere. Die Spielregeln sind hier klar und die Einstiegshürden niedrig. Man benötigt keine Erlaubnis, keine teure Ausbildung und nur wenig Kapital, um in Cryptocoins zu investieren. Eine Kungelei zwischen Staat und mächtigen Marktteilnehmern findet nicht statt. Es herrscht freier Wettbewerb, in dem jeder die gleichen Chancen hat.

 

Finanzwelt im Umbruch

Die Gewinne, die man zur Zeit mit Cryptocoins erzielen kann, sind verblüffend hoch. Bitcoin ist von rund drei US-Dollar im Dezember 2011 auf rund 2900 US-Dollar Euro im Juni 2017 gestiegen. Der Kurs von Dash stieg von ca. vier US-Dollar im August 2015 auf rund 190 Dollar im Juni 2017. Der Kurs von Ethereum schoss in der gleichen Zeit von ca. zwei Dollar auf rund 380 Dollar hoch. Von solchen Wachstumsraten können Besitzer von Aktien oder Wertpapieren nur träumen. Doch wir haben es hier mitnichten mit einer kurzlebigen „Blase“ zu tun, wie man denken könnte. Vielmehr befinden wir uns mitten in einem Paradigmenwechsel.

Wir erleben gerade, wie das alte, zentralistische Geldsystem durch einen freien Wettbewerb der Währungen abgelöst wird. Vielleicht setzen sich einige der heute bekannten Cryptocoins dabei durch – vielleicht aber auch welche, die noch gar nicht auf dem Markt sind. Und der Markt für Geldzahlungen ist riesig. Wenn in Zukunft Milliarden von Menschen mit Bitcoins, Dash, Monero oder anderen digitalen Währungen zahlen werden, addieren sich selbst minimale Transaktionsgebühren zu hohen Umsätzen.

Darüber hinaus gibt es viele Coins, die nicht als allgemeine Zahlungsmittel konzipiert sind. Man benötigt sie, um zum Beispiel Smart Contracts („Intelligente Verträge“) abzuschließen, um Daten dezentral zu speichern oder Rechenzeit zu buchen. Diese so genannten App Coins oder Tokens werden viele komplett neue Produkte und Dienstleistungen möglich machen.

Angesichts dieser Wachstumschancen können die exorbitanten Preissteigerungen von Cryptocoins durchaus gerechtfertigt sein. Eine Investition in die „richtige“ Cryptocoin ist mit der Investition in die Aktie eines Unternehmens zu vergleichen, das einen neuen Markt schafft oder einen bestehenden radikal verändert, wie etwa Apple, Google oder Facebook.

Das World Economic Forum schätzt, dass im Jahr 2025 rund 10% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (GDP) auf Blockchains, also in Form von Cryptocoins gespeichert sein wird.Die Marktkapitalisierung aller Cryptocoins würde somit bei 10,1 Billionen US-Dollar liegen. Zur Zeit liegt die Marktkapitalisierung sämtlicher Cryptocoins (also die Zahl der verfügbaren Coins multipliziert mit ihrem Preis) bei rund 100 Milliarden US-Dollar. Wenn das WEF mit seiner Schätzung recht behält, steigt dieser Wert in den nächsten acht Jahren also um etwa 10.000 %. Ein Bitcoin würde dann rund 290.000 US-Dollar kosten.

Wo so hohe Gewinne zu erzielen sind, ist natürlich auch das Risiko hoch. Wer in Cryptocoins investieren möchte, sollte sich mit dem Thema daher intensiv beschäftigen – schon um die schwarzen Schafe, die es leider gibt, zu erkennen und sich vor ihnen zu schützen.

Bei Cryptocoins geht es darum, dass man niemandem mehr vertrauen muss: keiner Bank, keinem Vermögensverwalter, keinem Finanzminister. Jeder hat die volle Kontrolle über sein Geld – aber auch die volle Verantwortung. Wenn einem Cryptocoins gestohlen werden, haften keine Bank und kein Staat dafür. Ein gewisses Fachwissen ist daher notwendig, insbesondere wenn es um das Thema Sicherheit geht.

Doch dieses Wissen kann sich jeder in relativ kurzer Zeit aneignen. Hier soll dieses Buch helfen. Es wendet sich vor allem an Neueinstieger, die sich für Cryptocoins interessieren. Doch da der Markt sehr groß und unübersichtlich ist, denke ich, dass es auch für den erfahrenen Crypto-Profi einige interessante Einsichten bringen kann.

Es baut auf meinem Buch Bitcoin – Geld ohne Staat auf. Darin habe ich erklärt, warum wir eine neue Form von Geld ohne Staatsmonopol und ohne Banken brauchen. Das Ziel jenes Buches war es, die Kritik der Wiener Schule der Volkswirtschaft am Geldsystem auch für Laien begreiflich zu machen. Im vorliegenden Buch setze ich voraus, dass der Leser bereits weiß, was am herkömmlichen Geldsystem faul ist. Dafür werde ich umso mehr Wert darauf legen, gründlich zu erklären, was man über Bitcoin und die vielen anderen Cryptocoins wissen sollte.

Dabei werde ich eine Menge technischer Begriffe erläutern, die man im Zusammenhang mit Cryptocoins immer wieder hört. Ich werde versuchen, das so einfach wie möglich zu tun. Aber keine Bange: man muss sie nicht auswendig lernen. Man kann dieses Buch auch als Nachschlagewerk nutzen.